Wahlprüfsteine

Zur Landtagswahl in Baden-Württemberg haben wir die Parteien nach ihrer Position zu einer Neugestaltung der Musikhochschule befragt. Die Antworten zu den Wahlprüfsteinen finden Sie hier.

Die Antworten der Parteien auf unsere Wahlprüfsteine spiegeln deren Meinung wider und nicht die Meinung unserer Initiative.

Akademie des “Homo ludens”

(spielender und dadurch schöpferischer Mensch)

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Welches Menschenbild sehen Sie im Zentrum der staatlichen Musikinstitute?  

Den “Homo Ludens”:  das Ideal der Akademie im europäisch-humanistischen Sinne, die für Lehrende und Studierende gleichermaßen den Raum bietet, als kreativ tätige Künstler künstlerisches und wissenschaftliches Wissen und Können frei und flexibel zu entfalten, zu entwickeln, zu erproben, auch zu experimentieren? Mit einem ideellen Spektrum aus: Ideal der Kreativität und Eigenständigkeit, künstlerische Aussage, Sensibilität, spiritueller Gehalt, Einfühlung und soziales Miteinander?

Oder den “Homo Œconomicus”, die Ökonomisierung der Kunst?:  verschulte Studienpläne, in dem die Studierende nicht animiert werden, das zu wählen, was für sie interessant ist, sondern belegen, wofür sie die meisten Leistungspunkte bekommen? Orientierung an vorgegebenen Post-Studiums-Zwecken im Rahmen der wirtschaftlichen Produktivität,  Bestehen von Probespielen, um damit gutes Geld zu verdienen, allgemeine virtuos-technische Wettbewerbsideale, Star-Kult und Star-Gagen – und andererseits historisch informierte “Museumswärter”? 

Die Grünen


Kultur und Kunst sind für uns Grüne ein Herzensanliegen. Musik hat dabei einen besonderen Stellenwert: Sie trägt zur Persönlichkeitsentwicklung und zu einem lebendigen Miteinander bei, sie wirkt integrativ und fördert kognitive, emotionale und kreative Kompetenzen.

Uns ist natürlich bewusst: Wer ein Studium an der Musikhochschule aufnimmt, der studiert nicht allein für einen bestimmten Beruf, sondern entscheidet sich ganz bewusst für ein künstlerisches Dasein. Daher muss für uns die künstlerische Freiheit, die Kreativität und die Möglichkeit zum Ausprobieren im Zentrum der staatlichen Musikinstitute stehen. Dennoch darf es uns nicht gleichgültig sein, was nach dem Studium aus unseren Absolventinnen und Absolventen wird. Denn Kultur ist natürlich auch ein relevanter Wirtschaftsfaktor, auch wenn sie sich dadurch auszeichnet, dass sie sich oftmals der Wirtschaftlichkeit entzieht.


CDU

Nach unserem Verständnis ist der Mensch eine eigenständige Person, eine individuelle und soziale Existenz, einmalig in seinem Wesen und ausgestattet mit einer unveräußerlichen Würde. Der Mensch ist zur Kreativität, zur Selbstreflexion und zu planender Vorausschau befähigt. Er ist zur Freiheit berufen, zur Verantwortung verpflichtet und darin jedem anderen Menschen gleich. Dieses Menschenbild gilt für uns unabhängig von dem jeweiligen sachlichen oder örtlichen Zusammenhang.

SPD

Den “Homo Ludens”: das Ideal der Akademie im europäisch-humanistischen Sinne, die für Lehrende und Studierende gleichermaßen den Raum bietet, als kreativ tätige Künstler künstlerisches und wissenschaftliches Wissen und Können frei und flexibel zu entfalten, zu entwickeln, zu erproben, auch zu experimentieren. Mit einem ideellen Spektrum aus: Ideal der Kreativität und Eigenständigkeit, künstlerische Aussage, Sensibilität, spiritueller Gehalt, Einfühlung und soziales Miteinander.


FDP

Baden-Württemberg ist ein Land, in dem die Musik in vielfältiger Weise das kulturelle Leben prägt und bereichert. Das Spektrum reicht von hochprofessioneller künstlerischer Exzellenz über eine breite Förderung musikalischer Talente in den Schulen und den Orchestern bis hin zu einem vielfältigen Angebot populärer Musik aller Sparten. Man beneidet uns um unsere exzellenten Musikhochschulen, um die beiden Staatsopern, um die vielen Musikvereine und Chöre, aber auch um jene Bands und Musikgruppen, die seit 2003 von der Popakademie Mannheim vorbildlich gefördert werden. In diesem Angebotsgefüge ist uns wichtig, dass jeder Studierende entsprechend seiner Neigung und Eignung das für ihn passende Studienangebot finden kann. Dabei sind die Musik- und Kunsthochschulen in der baden-württembergischen Hochschullandschaft unverzichtbar. Wir würden es begrüßen, wenn dort noch mehr Studieninteressierte aus dem Land einen Studienplatz finden könnten.


AFD 

Selbstverständlich sieht die AfD den „Homo ludens“ als Menschenbild im Zentrum der

staatlichen Musikinstitute. Dies ergibt sich schon aus der deutschen Sprache, in der wir

davon sprechen, dass ein Musiker sein Instrument „spielt“. Eine Ökonomisierung hat weder

der Kunst noch der Wissenschaft je einen besonderen Nutzen gebracht, nicht desto trotz

können diese Einflüsse nicht gänzlich außer Acht gelassen werden.

Allerdings ist die Frage etwas suggestiv formuliert, denn wie sie selbst bemerkt haben, ist

nicht der „Homo Oeconomicus“ sondern der „Homo academicus“ der Urheber

Hochschulen und die Frage ist, inwiefern diese Strukturen auf unsere Musikhochschulen

angewandt, möglicherweise nicht passend sind und geändert werden müssen.

Freiheit der Lehre 

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Wissenschaftler*innen und Studierende brauchen zeitliche und inhaltliche Freiräume, um aus dem Studium mehr mitzunehmen als nur berufsbezogenes Wissen. Bildung, insbesondere kulturelle Bildung, dient - neben der Vorbereitung auf das bevorstehende Berufsleben - zuallererst der menschlichen Entfaltung. Nur so können angehende Künstlerinnen und Künstler ihren entscheidenden Beitrag zum gesellschaftlichen Austausch und Miteinander leisten.


Wir wollen die Musikhochschulen dabei unterstützen, die Studierenden mit einem breiten und vielfältigen Lehrangebot bestmöglich auf ihre zukünftige Tätigkeit vorzubereiten. Darüber hinaus bekennen wir uns zur Hochschulautonomie und stärken diese, wo immer möglich.


Die Grünen

Wissenschaftler*innen und Studierende brauchen zeitliche und inhaltliche Freiräume, um aus dem Studium mehr mitzunehmen als nur berufsbezogenes Wissen. Bildung, insbesondere kulturelle Bildung, dient - neben der Vorbereitung auf das bevorstehende Berufsleben - zuallererst der menschlichen Entfaltung. Nur so können angehende Künstlerinnen und Künstler ihren entscheidenden Beitrag zum gesellschaftlichen Austausch und Miteinander leisten.

Wir wollen die Musikhochschulen dabei unterstützen, die Studierenden mit einem breiten und vielfältigen Lehrangebot bestmöglich auf ihre zukünftige Tätigkeit vorzubereiten. Darüber hinaus bekennen wir uns zur Hochschulautonomie und stärken diese, wo immer möglich.

CDU


Eine moderne Hochschulpolitik muss aus unserer Sicht darin bestehen, einen klaren ordnungspolitischen Rahmen zu setzen und zugleich Tendenzen der Überregulierung und ideologischer Einschränkungen entgegenzuwirken. Wir wollen die Eigenverantwortung der Hochschulen weiter stärken – denn die Hochschulen wissen selbst am besten, was erforderlich ist, um exzellente Forschung und Lehre zu ermöglichen.

SPD

Stehen Sie für die authentische und der grundrechtlichen Freiheit der Kunst angemessene Auffassung dessen, was künstlerisch Lehrende mit ihren Talenten, Vorlieben, Stärken und Schwächen ausmacht und ausmachen darf? Für verstärkten Einbau kreativer Elemente bei der Gestaltung von Fächern, Studiengängen und einzelnen Lehrangeboten? Für eine Struktur, die - gerade, da es ja um Kunst geht - möglichst viel Freiheit und Entfaltungsmöglichkeit den Einzelnen überlässt und so viel Macht organisiert, wie sie für sinnvolle und angstfreie/ fröhliche Kunstausübung und pädagogische Tätigkeit brauchen? Ja


FDP

Wir haben uns in der Vergangenheit für den Erhalt der Musikhochschulen an fünf Standorten stark gemacht und treten noch immer dafür ein, dass diese Vielfalt als eigenständige Hochschulen erhalten bleibt und in ihrer Weiterentwicklung kraftvoll unterstützt wird. Als Aufgabe des Landes verstehen wir es, für eine qualifizierte künstlerische Ausbildung junger Musiker zu sorgen und jene künstlerischen Spitzenleistungen zu fördern, die ohne staatliche Subventionen in andere Länder abwandern würden oder in ihrer Existenz gefährdet wären. Dazu wollen wir die verlässliche Hochschulfinanzierung über fünfjährige Hochschulpakte fortsetzen und darauf achten, dass alle Hochschularten bedarfsgerecht finanziert werden. Dadurch achten wir die Freiheit der Hochschulen in Forschung und Lehre und ermöglichen Freiräume für die Ausgestaltung von Lehre und Forschung vor Ort an der einzelnen Hochschule.



AFD

Die authentische und grundrechtliche Freiheit der Kunst ist der AfD ein hohes Anliegen.

Allerdings gehört zu jeder Kunst auch ein fundiertes Handwerk, so sind die meisten Künste

aus diesem entstanden und eine Bewertung der Kunst aus einem in die heutige Zeit

übertragenen Geniekult unter Absehung der künstlerisch-handwerklichen Qualität ist oft

schwierig. Eine Bewertung ist jedoch meist bei der Berufung und Stellenbesetzung

notwendig.

Eine Struktur, die „Freiheit und Entfaltungsmöglichkeit den Einzelnen überlässt“ war vor der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengängen durchaus möglich. Die AfD sieht die Bologna-Reform, die verantwortlich ist für diesen „bis ins Detail vorgegebenen und streng kontrollierten Studienplan" als einen schweren Fehler an. Es muss zurückgekehrt werden zu den vorher üblichen Abschlüssen, die eine sinnvolle und fröhliche Kunstausübung und pädagogische Tätigkeit durchaus ermöglichten.

Diversität

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Stehen Sie dafür, dass der Erfolg der Musikhochschulen aus dem künstlerischen Zusammenwirken von einer Vielzahl von unterschiedlichen Lehrenden mit den Studenten lebt?  Und dass die bisherige, aus allen Personalkategorien herausragende Stellung der Professoren bei Musikhochschulen häufig zu Fehlentwicklungen, insbesondere eher zur Unterdrückung oder doch Ermüdung, führt als zur Beflügelung schöpferischer künstlerischer Lehre und kreativen Lernens? 


Oder stehen Sie dafür, dass es einige wenige sein sollen, durch die ein Lehrprogramm maßgeblich ins Leben gerufen, inszeniert und methodisch angeleitet wird?

Die Grünen


Kulturelle Vielfalt zu fördern und zu schützen ist für uns Grüne eine wichtige Aufgabe. Der Zugang zu und die Teilhabe an Kultur und den Künsten muss für alle gleich gewährleistet sein. Das gilt für das Erleben ebenso wie für das Schaffen von Kunst. Wir wollen daher Diversität und Repräsentation in den Hochschulen stärken, denn Lehre und Kunst braucht eine Vielfalt an Talenten.

CDU

Aus unserer Sicht lebt der Erfolg der Musikhochschulen aus dem künstlerischen Zusammenwirken von Lehrenden und Studierenden, vom Erstsemester bis hin zum Professor. Kunsthochschulen sind Orte der künstlerischen Lehre und des kreativen Lernens. Ein künstlerisches Studium geht immer über das Erlernen von Fachwissen, neuen Techniken und wissenschaftlichen Methoden hinaus. Ziel der Ausbildung ist die Heranbildung einer Künstlerpersönlichkeit.

SPD 

Stehen Sie dafür, dass der Erfolg der Musikhochschulen aus dem künstlerischen Zusammenwirken von einer Vielzahl von unterschiedlichen Lehrenden mit den Studenten lebt? Ja.


FDP

Die Lehre an den Musikhochschulen lebt von ihrer herausragenden Exzellenz und Varianz, um die man das Land vielerorts beneidet. Das Zusammenwirken unterschiedlichster Lehrender mit den Studierenden prägt den hochschulischen Alltag. Dabei ist es wichtig zu erkennen, dass an den Kunst- und Musikhochschulen des Landes der Anteil der von Lehrbeauftragten geleisteten Semesterwochenstunden an der Gesamtheit der Lehrveranstaltungen beträchtlich ist und sich zuletzt je nach Hochschule zwischen 16% bis 38% beträgt. Diese zentrale Rolle der Lehrbeauftragten, gerade an den Musikhochschulen, gilt es für uns zu würdigen. Wir wollen die wirtschaftlichen Bedingungen für die hauptberuflich tätigen Lehrbeauftragten an Musikhochschulen verbessern und werden uns dafür einsetzen, dass die Ausstattung der Lehre an Hochschulen eine angemessene Vergütung der Lehrbeauftragten und die vom Wissenschaftsrat empfohlene Quote an hauptamtlichen Professoren und Professorinnen ermöglicht. Wir stehen somit für eine Ausgestaltung der Lehre, die auch eine hohe Praxisnähe ermöglicht und die Rolle der Lehrbeauftragten in diesem System honoriert.

AFD

Eine Musikhochschule kann nur einen äußeren Rahmen geben, dieser kann gegebenenfalls

eweitert werden durch eigene Aktivitäten, Kurse, Unterrichtsstunden. Die Stundenpläne

müssen in der Tat genügend Flexibilität bieten, um hierauf einzugehen.



flache und projektbezogene Hierarchien

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Sind Sie offen dafür, in den staatlichen Instituten der Musikausbildung Macht so zu verteilen, dass sie möglichst fruchtbar und stärkend eingesetzt wird und im Umkehrschluss wenig stört und atmosphärisch niederdrückt? Sind Sie offen für eine demokratische Öffnung und so weit wie möglich Befreiung von Einengungen durch hierarchische Unterschiede? Für flachere Hierarchien, eher aus dem gemeinsamen Anliegen der Institution heraus? Für mehr projektbezogene als strukturell geronnene und verfestigte Hierarchien? Für eine möglichst weitgehende Gleichwürdigkeit aller Lehrenden auch dort, wo Entscheidungen zu treffen sind, die mehrere betreffen.


Oder stehen Sie für das traditionelle System aus strukturell geronnenen Hierarchien?



Die Grünen


Musikhochschulen sind besondere Orte, wo künstlerisches Potential sich entwickeln und reifen kann. Sie bilden die Grundlage für die breit gefächerte Kulturlandschaft in Baden-Württemberg, waren und sind aber ebenso ein Ort der kritischen Selbstreflexion unserer Gesellschaft. Gerade in der Verbindung von Lehre, Forschung und Kunst brauchen Lehrende und Studierende Freiräume, um aus dem Studium nicht nur das fachbezogene Wissen mitzunehmen, sondern auch die Entwicklung künstlerischer Persönlichkeiten voranzutreiben. Im Rahmen einer konstruktiven Auseinandersetzung soll das Studium frei, partizipativ und diskriminierungsfrei für alle Akteure, Lehrende und Studierende sein. Die Freiheit der Kunst und die Freiheit der Lehre sichern wir dabei stets und stehen im Vordergrund unserer politischen Arbeit.


CDU

Hochschulen sollten grundsätzlich so organisiert sein, dass ein möglichst fruchtbares Umfeld für Lehre und Forschung entsteht. Mit Blick auf die Frage der Einbindung von Lehrbeauftragten in die Hochschulorganisation räumt das Landeshochschulgesetz den Hochschulen das Recht ein, das passive Wahlrecht von Lehrbeauftragten in der Grundordnung selbst zu regeln.

SPD

Sind Sie offen dafür, in den staatlichen Instituten der Musikausbildung Macht so zu verteilen, dass sie möglichst fruchtbar und stärkend eingesetzt wird und im Umkehrschluss wenig stört und atmosphärisch niederdrückt? Sind Sie offen für eine demokratische Öffnung und so weit wie möglich Befreiung von Einengungen durch hierarchische Unterschiede? Für flachere Hierarchien, eher aus dem gemeinsamen Anliegen der Institution heraus? Für mehr projektbezogene als strukturell geronnene und verfestigte Hierarchien? Für eine möglichst weitgehende Gleichwürdigkeit aller Lehrenden auch dort, wo Entscheidungen zu treffen sind, die mehrere betreffen? Ja.


FDP

Mit der Neufassung des Landeshochschulgesetzes 2005 haben die baden-württembergischen Hochschulen einen beachtlichen Zuwachs an Freiheit von staatlicher Gängelung bekommen. Aus unserer Sicht ist diese Hochschulfreiheit unabdingbare Voraussetzung für die Qualität von Forschung und Lehre, die insbesondere durch die motivierten und engagierten Lehrenden verkörpert wird. Idealerweise berücksichtigen die Entscheidungsmechanismen an den Hochschulen die Interessen aller Mitglieder der Hochschule und ein System der Checks and Balances legitimiert die Entscheidungen. Das Bundesverfassungsgericht hat die Vorgaben für die Mitbestimmungsstrukturen neu justiert und die Professorenmehrheiten in den Gremien der akademischen Selbstverwaltung vorgegeben. Wir wollen prüfen, inwieweit diese Strukturgaben den Anforderungen der Interessenvertretung aller Mitgliedergruppen gerecht werden. Denn insbesondere an den Musikhochschulen ist aufgrund der hohen Zahl an Lehrbeauftragten deren Beteiligung an der demokratischen Willensbildung von besonderer Relevanz. Mit der Eingliederung der Lehrbeauftragten in die Gruppe der „Akademischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (§ 10 Satz 2 Nummer 2 LHG n. F) wurde erst jüngst erneut die bessere Berücksichtigung der Belange der Lehrbeauftragten von der Landesregierung angestrebt. Nach unserer Auffassung wird aber auch diese Ausgestaltung der besonderen Situation, etwa an den Musikhochschulen, nicht gerecht. Deshalb haben die Freien Demokraten im Landtag im Rahmen des vierten Hochschulrechtsänderungsgesetzes beantragt, den Lehrbeauftragten eine eigene Statusgruppe zu schaffen, wie in der Antwort auf Ihre Frage 5 konkret dargelegt wird.

AFD


Diese Frage ist sehr suggestiv formuliert, beinhaltet jedoch weitreichende beamtenrechtliche Implikationen. 
Leider haben feste Anstellungsverhältnisse oft die Konsequenz einer Verfestigung von Macht. Bitte bedenken Sie, dass „mehr projektbezogene als strukturell geronnene und verfestigte Hierarchien" einer Landesregierung, die Geld sparen möchte, die Möglichkeit gibt, Musikhochschulen auch sehr schnell zu schließen oder umzuwandeln in Sommerakademien mit Weiterbildungskursen, wie dies die grüne Landesregierung unter Ministerpräsident Kretschmann nach ihrem Amtsantritt 2011 mit den Musikhochschulen Trossingen tat und mit der Musikhochschule Mannheim plante. Oft sind es gerade die „traditionellenSysteme", die dies verhindern.

einheitlich gestaltetes Stellenprofil

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Sind Sie offen für eine Neuformung der Personalkategorien, eine Rollendefinition aus der Soziokratie (lat. socius = Gefährte, griech. kratein = regieren) ist ein Modell der Steuerung und Entscheidungsfindung in Prozessen und Organisationen, das von der Gleichwertigkeit aller Beteiligten ausgeht.)? Für die Umstrukturierung der Hierarchien durch Ersetzung oder doch weitgehende Ersetzung von bisherigen Professuren und bisherigen Stellen akademischer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (privatrechtlich Angestellte und Ratsstellen für Beamte) durch weniger hierarchisch, dem Grundsatz nach einheitlich gestaltete Stellen für künstlerische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ? Für weitgehende Ersetzung der Lehraufträge durch diese neue Personalkategorie ?


Oder stehen Sie für das bestehende Kastensystem aus dominierender, exzellent vergüteter Professorenschaft mit vollen mitgliedschaftlichen Statusrechten, einigen akademischen Mitarbeiter/innen mit mitgliedschaftlichen Statusrechten, und sehr vielen Lehrbeauftragten (bis vor Kurzem gar noch) ohne mitgliedschaftliche Statusrechte, mit schwacher Vergütung und ohne klare Zukunftsperspektive ?



Die Grünen


Wir wollen eine verlässliche Perspektive und Planungssicherheit in der gesamten Hochschulpolitik schaffen. Für die Hochschulpolitik gilt daher das grüne Prinzip der Hochschulautonomie. Somit schaffen wir Gestaltungsspielräume in denen die Hochschulen die Freiheit haben, Mittel ihrer jeweiligen Prioritäten einzusetzen. Für den Personalbereich an den Musikhochschulen soll daher ein konstruktives Miteinander, sowohl mit Eigenverantwortung als auch mit Freiräumen aller Hochschulmitglieder garantiert werden. Wir haben das Hochschulgesetz an der Zukunft ausgerichtet und Themen wie Gleichstellung und Nachhaltigkeit als Aufgaben der Hochschulen gestärkt. Wir setzen uns dabei vor Allem in den Musikhochschulen für ein Personalwesen ein, das nicht nur allen Beschäftigten individuelle Entwicklungsmöglichkeiten zeigt, sondern auch Forschung, Lehre und Kunst bestmöglich vorantreibt. 


CDU

Eine Ersetzung von bisherigen Professuren und die komplett einheitliche Gestaltung von Stellen für künstlerische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Musikhochschulen würde auf einen Wegfall der eigenen garantierten personellen Grundausstattung hinauslaufen. Das halten wir nicht für angemessen. Ein entsprechender Wegfall der garantierten Grundausstattung könnte als Eingriff in die Wissenschaftsfreiheit verstanden werden und wäre mit negativen Rückwirkungen für die Attraktivität des Musikhochschulstandorts Baden-Württemberg verbunden. 

Mit Blick auf die Lehraufträge wollen wir den Anteil der Semesterwochenstunden an den Musikhochschulen in Baden-Württemberg, die von Lehrbeauftragten unterrichtet werden, mittelfristig weiter senken. Die Musikhochschulen haben sich mit dem Abschluss des Hochschulfinanzierungsvertrags II (2021 – 2025) dazu verpflichtet, bei der Ausbringung zusätzlicher hauptamtlicher Lehrdeputate bis 2025 schrittweise den Anteil von Lehraufträgen auf jeweils maximal 27 Prozent des Gesamtlehrdeputats je Hochschule zu senken.

SPD

Sind Sie offen für eine Neuformung der Personalkategorien, eine Rollendefinition aus der Soziokratie (lat. socius = Gefährte, griech. kratein = regieren) ist ein Modell der Steuerung und Entscheidungsfindung in Prozessen und Organisationen, das von der Gleichwertigkeit aller Beteiligten ausgeht.)? Für die Umstrukturierung der Hierarchien durch Ersetzung oder doch weitgehende Ersetzung von bisherigen Professuren und bisherigen Stellen akademischer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (privatrechtlich Angestellte und Ratsstellen für Beamte) durch weniger hierarchisch, dem Grundsatz nach einheitlich gestaltete Stellen für künstlerische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ? Ja.


FDP

Die Regierungsfraktionen von Grünen und CDU hatten in ihrem Koalitionsvertrag für die zurückliegende Wahlperiode eigentlich bereits erkannt, dass es an den Musikhochschulen eine besondere Situation gibt, die es zu beachten gilt. Denn dort hatten die Koalitionäre betont, dass „Lehrbeauftragte für die praxisorientierte Lehre unabdingbar sind und eine bedeutsame Rolle an den Hochschulen haben. Aufbauend auf den Zielvereinbarungen des Hochschulfinanzierungsvertrags behalten wir die Lehrbeauftragten an den Musikhochschulen besonders mit dem Ziel im Auge ihre Rolle auf ihren ursprünglichen Zweck zu konzentrieren.“ Diese `Drohung´ aus dem Koalitionsvertrag wurde aus Sicht der Freien Demokraten leider wahrgemacht – denn diese Landesregierung hat im Grunde nichts unternommen, um die Situation der Lehrbeauftragten gerade an den Musikhochschulen zu verbessern, obwohl dies längst angezeigt gewesen wäre. Im Gegenteil wurde von den regierungstragenden Fraktionen sogar der Antrag der FDP/DVP-Landtagsfraktion (Drucksache 16/9533-4) abgelehnt, mit dem die besondere Rolle der Lehrbeauftragten berücksichtigt werden sollte. Unsere Abgeordneten hatten beantragt, einen Rechtsrahmen im Landeshochschulgesetz zu entwickeln, der die Rechte der Lehrbeauftragten (insbesondere an Musik- und Kunsthochschulen) in angemessener Art und Weise stärkt und im Rahmen der gesetzlichen Regelungen eine Abwägung zwischen der Bedeutung der Lehrbeauftragten für die Hochschulen und der wirtschaftlichen und rechtlichen Betätigungsfreiheit der Hochschulen vornimmt sowie idealerweise eine eigenständige Statusgruppe für die Lehrbeauftragten schafft. Die Landesregierung hat diesen Antrag jedoch abgelehnt und dieser wichtigen Weiterentwicklung eine Absage erteilt.


AFD


Die AfD steht den von Ihnen angesprochenen und geforderten Veränderungen an den

Strukturen der Musikhochschulen offen gegenüber, allerdings sollten sie auf die Akzeptanz einer breiten Mehrheit der an den Musikhochschulen Beschäftigten überprüft werden, falls

sie umgesetzt werden sollten.

musische und menschliche Gesamtpersönlichkeit

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Sind Sie offen dafür, dass, um die allerbesten Lehrkräfte in die staatlichen Musikinstitute zu holen, die musikalisch, menschlich und sozial relevante Gesamtpersönlichkeit bewertet werden soll? Dass die Besten an Musikhochschulen zum Beispiel auch Neulinge sein können, die Ideen und Lust haben, ihr Potential zu entfalten, indem sie Wagnisse eingehen? Dass nicht Nervenstärke und Blendertum bevorzugt werden sollen, durch welches das Musische und Menschliche eventuell unter die Räder kommt? Dass einige in ihrer Funktionsbeschreibung offen zu besetzende Stellen ausgewiesen werden, auf die sich Künstler/innen mit individuellen Vorschlägen der inhaltlichen Gestaltung bewerben können?


Oder halten Sie dafür, dass insbesondere Diskographien, Phono-Preise, Wettbewerbsplatzierungen und Publikationen als Eintrittskarte gelten, um an einem staatlichen Musikinstitut unterrichten zu dürfen?  



Die Grünen


Baden-Württemberg besitzt eine exzellente Hochschullandschaft. Die Anziehungskraft unserer Musikhochschulen über die Landesgrenzen hinaus sind unbestritten. Zwei entscheidende Komponenten für diesen Erfolg sind Top-Lehrende und Top Nachwuchs auch an den Musikhochschulen. So haben wir etwa mit dem Bund-Länder-Programm „Tenure Track“ einen neuen Karriereweg für junge Wissenschaftler*innen umgesetzt, der den Weg zu einer Professur nicht nur transparenter, sondern auch planbarer macht. Außerdem haben wir definierte Promotionsvereinbarungen im Hochschulgesetz verankert. Auch hinsichtlich Stellenausschreibungen setzen wir uns weiterhin für transparente Strukturen und Chancengleichheit ein, sodass die gesamte Persönlichkeit beurteilt werden kann - unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Alter.


CDU

Wir halten es für sinnvoll und richtig, dass Hochschulen offene Stellen für Lehrkräfte in Eigenverantwortung besetzen. Dies trägt dazu bei, ein Höchstmaß an Freiheit in Forschung der Lehre zu gewährleisten.

SPD

Sind Sie offen dafür, dass, um die allerbesten Lehrkräfte in die staatlichen Musikinstitute zu holen, die musikalisch, menschlich und sozial relevante Gesamtpersönlichkeit bewertet werden soll? Dass die Besten an Musikhochschulen zum Beispiel auch Neulinge sein können, die Ideen und Lust haben, ihr Potential zu entfalten, indem sie Wagnisse eingehen? Dass nicht Nervenstärke und Blendertum bevorzugt werden sollen, durch welches das Musische und Menschliche eventuell unter die Räder kommt? Dass einige in ihrer Funktionsbeschreibung offen zu besetzende Stellen ausgewiesen werden, auf die sich Künstler/innen mit individuellen Vorschlägen der inhaltlichen Gestaltung bewerben können? Ja.

FDP

Von den Lehrenden an den Musikhochschulen wird ein hohes Maß an Engagement, Qualifikation, Flexibilität und Sozialkompetenz erwartet. Wir wollen die Musikhochschulen unterstützen, die sich im bundesweiten Wettbewerb um die besten Studentinnen und Studenten und die besten Lehrenden durch besonders hohe Qualität in der Lehre und in der Forschung auszeichnen. Dabei ist es aus unserer Sicht unabdingbar, den Hochschulen in Personalangelegenheiten einen möglichst großen Handlungsspielraum zu geben, der durch eine auskömmliche Finanzierung ausgestaltet wird. Die Personalgewinnung sollte nicht von Formalismen oder Mauschelei geprägt sein, sondern die ideale Passung mit der vorgesehenen Aufgabe sicherstellen. Wir wollen die herausragende Qualität unserer Musikhochschulen erhalten und weiterentwickeln, auch beim Personal. Durch ein gut dotiertes Landesprogramm „Musikpädagogik“ wollen wir beispielsweise dafür sorgen, dass an allen Musikhochschulen auch künftig eine qualifizierte Ausbildung für das Lehramt an Gymnasien, für Musiklehrer an den Musikschulen und für Dirigenten ehrenamtlicher Chöre und Orchester angeboten wird. Durch die Einrichtung von Musikgymnasien und weiterer Musikzüge an den Gymnasien wollen wir dafür sorgen, dass sich begabte junge Musiker aus Baden-Württemberg beim Wettbewerb um die Studienplätze an den Musikhochschulen besser als in der Vergangenheit durchsetzen


AFD


Eine Bewertung der musikalischen menschlichen und sozial relevanten Gesamtpersönlichkeit ist sehr viel schwerer als die Bewertung des nationalen oder internationalen Renommees desselben Künstlers. Diese Frage ist natürlich eine Suggestivfrage, man kann sie nur mit: „Ja, selbstverständlich!“ beantworten. 

Doch wer entscheidet, was „Blendertum und Nervenstärke" ist und was künstlerische
Wertigkeit? Was geschieht mit den „Besten an Musikhochschulen - zum Beispiel auch Neulinge", die Ideen und Lust haben, ihr Potential zu entfalten, wenn die eingegangenen Wagnisse zu Misserfolgen führen? Die Musikhochschulen haben deshalb die Autonomie, weitgehend selbst über die Besetzung ihrer Stellen zu entscheiden.